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Darf der Bismarckplatz umbenannt werden?

20. März 2023

Betty Rosenfeld (1907-1942) wurde in eine bürgerliche jüdische Familie in Stuttgart-West hineingeboren. Sie ging am Königin- Olgastift zur Schule und wurde am Katharinenhospital zur Krankenschwester ausgebildet. Die politische Entwicklung in der Weimarer Republik ließ sie bald aktiv gegen die Nazis werden. 1935 wanderte sie vor der drohenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach Palästina aus. Ab 1937 nahm sie als Freiwillige im Sanitätsdienst der Internationalen Brigaden am Spanischen Bürgerkrieg teil. 1942 wurde sie in Auschwitz ermordet.

Die im Schmetterling-Verlag erschienene Biographie von Michael Uhl rückt Betty Rosenfelds Leben für die Freiheit und soziale Gerechtigkeit ins öffentliche Bewusstsein. Ein zentraler Ort im Stuttgarter Westen soll an sie erinnern: Der Bismarck-Platz soll in Zukunft Betty-Rosen-feld-Platz heißen. Für dieses Anliegen sammelten u. a. auch SÖS-Aktive ca. 1000 Unterschriften. Sie wurden von AnStifter-Vorstand Dr. Klaus Kunkel am 14. März im Bezirksbeirat West übergeben.

CDU lehnt Umbenennung ab

Der Forderung nach einer Umbenennung des Bismarck-Platzes in Betty-Rosenfeld-Platz wird gelegentlich entgegengehalten, dies würde einen bedeutenden deutschen Politiker aus der öffentlichen Erinnerung drängen. Eine Umbenennung lehnt auch die CDU-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat ab:

  1. Straßen- und Platznamen seien Teil des kollektiven Gedächtnisses einer Gesellschaft und wesentlicher Bestandteil der Erinnerungskultur.
  2. Umbenennungen von Straßen seien der falsche Weg, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dies führe zum Vergessen der Geschichte.
  3. Umbenennungen müssten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, von einem breiten Konsens getragen und vor der Entscheidung öffentlich diskutiert werden.

 Ausreichend Bismarck

Was reitet die CDU, wenn sie einen konservativen Monarchisten wie Bismarck, zu dessen Gegnern außer Sozialdemokraten auch demokratische Liberale und Konservative gehörten, so verteidigt? Was wäre denn nach Meinung der CDU eine bessere Vergangenheitsbewältigung, an unsere in Stuttgart geborenen, von den Nazis ermordeten Mitbürger*innen zu erinnern? An einem angemessenen Platz als Teil des kollektiven Gedächtnisses?

Es bleibt noch ausreichend Bismarck in Stuttgart nach einer Umbenennung: wenn vom Betty-Rosenfeld-Platz weiterhin die Bismarckstraße abgeht, am Platz selbst ein Bismarckhaus steht, eine Bismarckstaffel lichten Höhen entgegenstrebt sowie über allem der Bismarckturm thront, der auch über die Bismarckschule in Feuerbach wacht. Kennt die CDU die vom Gemeinderat beschlossenen Kriterien zur Straßennamensgebung?

Frauen als Namensgeberinnen unterrepräsentiert

So sollen seit 1993 „vorrangig Frauen berücksichtigt werden, die sich ‚in irgendeinem Bereich des gesellschaftlichen Lebens besondere Verdienste erworben haben und einen gewissen Ortsbezug aufweisen (Geburt, längerer Wohnsitz, Wirkungsstätte)‘“. Anders als Betty Rosenfeld ist Bismarck weder eine Frau, noch in Stuttgart geboren, hatte hier weder Wohnsitz noch Wirkungsstätte:

„Frauen sind als Namensgeberinnen in Stuttgart extrem unterrepräsentiert. Nicht weil sie weniger geleistet haben, sondern weil sie weniger bekannt sind. Der Name einer von der Geschichte vergessenen Widerstandskämpferin (…) würde zu diesem Platz viel besser passen, als die des umstrittenen ersten Reichskanzlers …“, meint die schwäbische Bestellerautorin Elisabeth Kabatek.

SÖS für Umbenennung

SÖS fordert die CDU auf, zu einem breiten gesellschaftlichen Konsens beizutragen und für die Umbenennung in Betty-Rosenfeld-Platz zu stimmen.

Bilder: Schmetterling Verlag


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