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Smart City Stuttgart – Digital First, Planet Second?

27. September 2022

Stuttgart braucht ein Klimareferat

Bundes- und Landesregierung rufen zum Energiesparen auf. Allerdings: Heilige Kühe werden tabuisiert: Tempo 100 würde massiv Benzin und Energie einsparen, ebenso das Verbot benzinfressender SUVs, Leuchtreklamen abschalten, keine heruntergekühlten Supermärkte, und für viele neu: der Wachstumstreiber Digitalisierung ist ein Klimakiller. 

Stuttgart will nun eine Abteilung Digitalisierung mit 400 Beschäftigten aufbauen. Für den Bereich „Überprüfung von Bau- und anderen Vorhaben auf ihre Klimafolgen“ gibt es gerade mal 2 MitarbeiterInnen. Die lückenlos digitalisierte Smart City gelten dem Gemeinderat als der Beitrag zum Klimaschutz, um „das Zusammenleben in Zukunft nachhaltig und effizient zu gestalten.“  Die tatsächlichen Klimaauswirkungen der digitalen Stadt, in der niemand mehr ohne Smartphone am Leben teilnehmen kann, werden ignoriert.

„Als einen dreifachen Klimakiller“ bezeichnet unser SÖS-Fachmann für Digitalisierung, Peter Hensinger, die Smart City. Denn in der Smart City werde die Anzahl vernetzter Geräte und der damit verbundene Datenverkehr „explodieren“.

 Digitalisierung ist ein dreifacher Klimakiller

Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umwelt­veränderungen der Bundesregierung (WBGU) warnt, die Digitalisierung als Geschäfts­­­modell der Industrie wirke als „Brandbeschleuniger … der Übernutzung natürlicher Ressour­cen“.

1. Wachsender Stromverbrauch. Ständig-Online-Sein, Millionen vernetzter Geräte des Internets der Dinge und tausende 5G-Sendeanlagen für vernetzte Autos lassen den Energie- und Ressourcenverbrauch explodieren. Das geplante 5G-Netz wird bis zu 350% mehr Strom verbrauchen wie das jetzige 4G, so eine Studie von Huawei: „Falls sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt, wird der Energiebedarf der Rechenzentren in den nächsten zehn Jahren weltweit um mehr als 60% ansteigen“, warnt der grüne Think Tank WFC (World Future Council).Man schätzt, dass ca. 80% dieses Anstiegs auf Videostreaming zurückzuführen sind.

Etwa 40 Großkraftwerke weltweit laufen allein für das Internet. Nach einer Studie der TU Dresden verbraucht das World Wide Web im Jahr 2030 so viel Strom wie die gesamte Weltbevölkerung im Jahr 2011.

2. Smartphone, Netflix und Google sind CO2-Schleudern. Die CO2 Einsparung ist überlebenswichtig, um das 1,5 Grad Ziel noch zu erreichen.Die 632 Millionen Smartphones in der EU verursachen über 14 Mio. Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr – mehr als Lettland im selben Zeitraum emittiert. Videodienste emittieren weltweit 305 Mio. Tonnen CO2.

3. Gigantischer Ressourcenverbrauch. Das Smartphone ist ein SUV. Der ökologische Rucksack eines Smartphones beträgt 75 kg und ist damit fast 750-mal schwerer als das Gerät selbst. In einer Analyse heißt es: „Um an die nötigen Seltenen Metalle und Erden heranzukommen, die man zur Herstellung eines 2 kg schweren Computers braucht, benötigt man 240 kg fossiler Brennstoffe, 22 kg zum Teil hochgiftiger Chemikalien und sage und schreibe 1,5 Tonnen Wasser. Für ein gewöhnliches Smartphone ohne exquisite Extras braucht man immerhin 50 dieser Seltenen Erden.“

Im Jahr 2020 entstanden weltweit 53,6 Megatonnen Elektro­schrott. Das entspricht einer Schrotthalde aller 46 Millionen Autos in Deutschland. Der Schrott landet in Entwicklungsländern und verseucht ganze Landstriche.

Der Gemeinderat muss die ökologischen Folgen diskutieren

„Der Digitalisierungshype muss auch in Stuttgart hinterfragt werden,“ fordert Peter Hensinger, „denn die tatsächlichen positiven Möglichkeiten der Digitalisierung, z. B. Energieverbräuche zu steuern, werden durch den Rebound-Effekt bei weitem zunichte gemacht. Die Digitalisierung ist ein heimlicher Klimakiller.“  Die Digitalisierung als Wachstums- und Konsumtreiber Nr.1 löst das Fossile ab, wie der Soziologe Harald Welzer schreibt: „Auch in dieser Hinsicht ist das Digitale fossil. Es verbrennt Zukunft. Radikal”.

SÖS fordert, dem Gemeinderat ein Gutachten über die ökologischen Folgen der geplanten Smart City in unserer Stadt vorzulegen.

Mehr zu den ökologischen Folgen im Artikel von Jürgen Merks (BUND) in Kontext : https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/411/digital-first-planet-second-5716.html

Newsletter Teil 2 vom 7.11.22 zur Smart City https://s-oe-s.de/2022/11/07/smart-city-ein-weg-zu-transparenz-und-klimaneutralitaet/

Grafik: www.stuttgart.de


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