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SÖS auch in die Regionalversammlung wählen!

13. Mai 2024

Neben der Kommunalwahl tritt SÖS zum ersten Mal in Stuttgart zur Regionalwahl an. Auf Platz 1 der SÖS-Regionalwahlliste steht der Friedensreferent i. R. und langjährige SÖS-Bezirksbeirat im Stuttgarter Westen, Paul Russmann (68). Der verheiratete Bankkaufmann, Mediator und Diplomtheologe singt im Chor, geht gerne tanzen und engagiert sich in der Betty-Rosenfeld-Initiative. 

SÖS: Für viele Wählerinnen und Wähler ist die Regionalversammlung ein unbeschriebenes Blatt, mit dem sie wenig anfangen können. Was ist die Regionalversammlung? 

Einmalig in Baden-Württemberg

Paul Russmann: Ja, die Kommunalwahl steht mehr im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Die Regionalwahl und damit auch die Region Stuttgart werden unterschätzt. Rund 2,8 Millionen Menschen aus 180 Nationen leben in der Region Stuttgart. Sie setzt sich zusammen aus den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr, sowie der Landeshauptstadt Stuttgart. 

Um das greifbar zu machen: In der Region werden rund 30 Prozent der landesweiten Wirtschaftsleistung erbracht! Die Regionalversammlung steuert wichtige politische Themen der Region. Sie ist zum Beispiel für die Regionalplanung, die S-Bahn, die Wirtschaftsförderung und den Tourismus zuständig. Dass die rund zwei Millionen Wahlberechtigten hier in der Region Stuttgart ihre Regionalversammlung direkt wählen dürfen, ist einmalig in Baden-Württemberg!

Flyer zur Regionalwahl

Als Bezirksbeirat mit Sorgen und Nöten vertraut

SÖS: Was hat Dich bewogen, Dich als Spitzenkandidat für die Regionalwahl zur Verfügung zu stellen?

Paul Russmann: Als langjähriges Mitglied im Bezirksbeirat Stuttgart-West sind mir die Sorgen und Nöte der Menschen in der Nachbarschaft vertraut. Dazu gehören die Wünsche nach einem bezahlbaren Zuhause für Alle, einem kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, nach sicheren Fuß-, Fahrrad- und Schulwegen. Diese Perspektive möchte ich in die Regionalversammlung einbringen. Anders als bei der Kommunalwahl, wo alle Wählenden 60 Stimmen haben, haben Sie bei der Regionalwahl nur eine Stimme.

SÖS: Du bist der Sprache nach ein „Nordlicht“? 

Paul Russmann: Stimmt, ich bin ein Reingeschmeckter – aufgewachsen am linken Niederrhein – zwischen der Kreisstadt Geldern und dem Fußballverein Borussia Mönchengladbach. So liebe ich Erdbeeren, Spargel und Schwarzbrot und den Humor des Kabarettisten Hanns-Dieter Hüsch. 

SÖS: Wie kamst Du darauf, nach Deiner Ausbildung zum Bankkaufmann katholische Theologie zu studieren? 

Paul Russmann: Nach der Banklehre wollte ich „was Soziales“ machen und holte zunächst mein Abitur an einem kirchlichen Kolleg nach. Kirchliche Jugendverbandarbeit und religiöse Prägung motivierten mich nach dem Abitur im westfälischen Münster katholische Theologie zu studieren.

Paul Russmann mit Margot Käßmann

Von der Fahrrad- in die Autostadt

SÖS: Dein Name taucht im Zusammenhang verschiedenster Organisationen auf, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Friedensarbeit verschrieben haben. Was hat Dich auf den Weg eines konsequenten Pazifismus geführt?

Paul Russmann: Als Dreizehnjähriger faszinierte mich der zivile und gewaltfreie Widerstand, den die tschechische und slowakische Bevölkerung 1968 beim gewaltsamen Einmarsch von 500 000 Soldaten des Warschauer Paktes in die CSSR leistete. Während des Studiums engagierte ich mich als Kriegsdienstverweigerer gegen die atomare „Nachrüstung“ – bei Schweigeaktionen, Ostermärschen und Blockaden vor militärischen Einrichtungen. Der Wunsch, mein Friedensengagement zum Beruf zu machen, brachte mich schließlich 1986 aus der Fahrradstadt Münster in die Autostadt Stuttgart.

SÖS: Nach Stuttgart …?

Paul Russmann: Ja, da hatte die im Stuttgarter Westen ansässige, spendenfinanzierte Organisation Ohne Rüstung Leben die Stelle für einen hauptamtlichen „Friedensarbeiter“ ausgeschrieben. (www.ohne-ruestung-leben.de). 

SÖS: Welche konkreten Wege siehst Du, um „das Töten in der Ukraine“ zu beenden?

Paul Russmann: Putin kann jederzeit den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg beenden und alle Truppen aus der Ukraine abziehen! Wünschenswert, doch der Diktator droht mit dem atomaren Schwert. Statt mit Kriegsrhetorik und Waffenlieferungen ihrerseits den nuklearen Winter zu riskieren, kann die Bundesregierung alles in ihrer Macht Stehende tun, den Krieg einzufrieren: damit als ersten Schritt die Waffen schweigen.

Paul Russmann spricht auf der Daimler-Aktionärshauptversammlung

Konzernchefs als Aktionär mit Kritik konfrontiert

SÖS: 2020 wurde Dir der Henry-Mathews-Preis verliehen. Was hat es mit diesem Preis auf sich, der vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre vergeben wird? 

Paul Russmann: Mit dem Preis werden seit 2007 Personen und Organisationen ausgezeichnet, die mit hohem Engagement auf die Verantwortung der Konzerne für Menschenrechte und Umweltschutz aufmerksam machen: Ich erhielt den Preis für meine „Verdienste als Rüstungskritiker“ auf Aktionärshauptversammlungen: „Immer seriös mit Hemd und Jackett gekleidet, stelltest Du Dich ans Rednerpult, um dann in Deiner Dir ruhigen Art die Konzernchefs mit Deiner schonungslosen Kritik zu konfrontieren. Bei den Medien und den Zuhörern kam das an …“, hieß es in der Laudatio.

Für Gäubahn, kostenlosen ÖPNV und klimagerechte Kreislaufwirtschaft

SÖS: Wofür setzt Du Dich ein, falls Du gewählt wirst? 

Falls ich gewählt werde, will ich mich für eine funktionierende Gäubahn, einen kostenlosen ÖPNV, den Erhalt unserer vielfältigen Kulturlandschaft und für eine klimagerechte Kreislaufwirtschaft einsetzen. Meine Bitte: Kreuzt sowohl bei der Regionalwahl und bei der Kommunalwahl jeweils die SÖS-Liste an!

SÖS: Herzlichen Dank für deine Antworten. 

Das Interview führte Guntrun-Müller Enßlin für die SÖS-Newsletter-Redaktion. 

Bilder: SÖS, Simon Boedecker, Paul Russmann, Klaus Gebhard


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